Neue Bildsensoren trotzen hohen Temperaturen
Das Fraunhofer-Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme IMS hat einen extrem hitzebeständigen und robusten Bildsensor entwickelt, der noch bei Umgebungstemperaturen zwischen -40 und +115 Grad Celsius zuverlässig arbeitet. Wichtigstes Einsatzgebiet des Mikrosystems ist die Automobilindustrie.
Bis heute stellen tote Winkel eine ernste Gefahr für Autofahrer und andere Verkehrsteilnehmer dar. Trotz Schulterblicks kommt es immer wieder vor, dass während des Ein- und Ausparkens oder währende der Fahrt Hindernisse und leider auch Personen übersehen werden. Elektronische Einparksysteme und Fahrerassistenzsysteme können helfen, diese Gefahrenquellen zu vermeiden.
Deshalb statten immer mehr Automobilhersteller ihre Fahrzeuge mit
Bildsensoren aus – etwa um Fußgänger, Fahrzeuge im toten Winkel und
Bordsteine für elektronische Einparkhilfen rechtzeitig zu erkennen. Die
Sensoren müssen jedoch auch bei extrem hohen Temperaturen und in
gleißendem Sonnenlicht funktionieren. Sind sie etwa hinter dem
Rückspiegel oder auf dem Armaturenbrett angebracht, kann es sehr heiß
werden. Bislang beeinträchtigte das die Funktion der Sensoren unter
Umständen erheblich.
Das Fraunhofer-Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme
IMS in Duisburg hat nun einen CMOS-Bildsensor (Complementary Metal
Oxide Semiconductor) entwickelt, der Umgebungstemperaturen von -40 bis
+115 Grad Celsius standhält. Herkömmliche CCD-Bildsensoren
(Charged-Coupled Device) versagen ab etwa 60 Grad. „Unser Chip ist
nicht nur hitzebeständig, er funktioniert selbst bei arktischen
Temperaturen“, so Werner Brockherde, Abteilungsleiter am
Fraunhofer-IMS.
Die neuen Sensoren besitzen Pixel mit einem extrem niedrigen
Dunkelstrom. Dieser Rest-Strom, der bei vollständiger Dunkelheit
fließt, ermöglicht selbst bei großer Hitze qualitativ hervorragende
Aufnahmen. „Einen niedrigen Dunkelstrom zu erzielen, war keine leichte
Aufgabe. Erhöht sich die Temperatur um acht Grad, so verdoppelt das den
Dunkelstrom. Bildrauschen und reduzierte Dynamik sind die Folge.
Geisterbilder entstehen, die sich in Form von Artefakten oder flächigen
Abbildungen störend auf dem Bild bemerkbar machen“, erläutert
Brockherde.
Mit 2,5 x 2,5 Zentimeter verfügt der Bildsensor über eine ungewöhnliche
Bildgröße. Der Vorteil: Für spezielle Anwendungen mit schwacher
Beleuchtung oder für Aufnahmen im Infrarot- oder UV-Bereich kann man
den Sensor direkt an einen elektronischen Bildverstärker anschließen.
Der Sensor löst mit 256 x 256 Pixeln auf. Sein hoher Dynamikbereich
beziehungsweise Belichtungsspielraum von 90 Dezibel sorgt für erhöhten
Kontrastumfang und optimierte Detailgenauigkeit sowohl in Schatten- als
auch in sehr hellen Bereichen. Lichtnuancen werden präzise
wiedergegeben.
Der Bildsensor reagiert selbst bei schwachen Lichtverhältnissen mit
hoher Empfindlichkeit. Er eignet sich daher auch für Nachtsichtgeräte.
Darüber hinaus unterstützt der Chip sowohl Kameras mit Synchron- als
auch mit Asynchron-Verschluss: Der synchrone Verschluss verhindert
Bewegungsartefakte, etwa beim Aufnehmen von schnellen Bewegungen. Die
Bewegungsunschärfe wird reduziert. Der Schlitzverschluss hingegen
erlaubt eine höhere Bildrate und kontinuierliche Bildaufnahme. Der
Effekt: Das Bildrauschen wird minimiert.
Als Einsatzgebiete haben die Forscher nicht nur die Automobilindustrie
im Blick. Daneben eignet er sich auch für Produktionsanlagen der
chemischen oder Stahlindustrie. Dort kann er zur Prozess- und
Qualitätskontrolle verwendet werden. Beispielsweise herrschen in einer
Walzstraße zum Pressen von Blechen sehr hohe Temperaturen. Zu sehen ist
der CMOS-Bildsensor auf der Messe Vision, die vom 9. bis 11. November
2010 in Stuttgart stattfindet (Stand 6 D12).