Wie funktioniert das Berufssystem Mikrosystemtechnik?
Vom einfachen Facharbeiter bis zum Doktor: Der berufliche Werdegang im Bereich der Mikrosystemtechnik ist durch eine enorme Durchlässigkeit gekennzeichnet. Ermöglicht wird dies durch ein Berufssystem, bei dem verschiedene Aus- und Weiterbildungsformen nahtlos ineinandergreifen und aufeinander aufbauen.
Der Berufseinstieg ist von nahezu jedem Punkt aus möglich. Bei
entsprechender Eignung kann der gesamte Bildungsweg von der
betrieblichen Ausbildung bis hin zum Doktor beschritten werden – ohne
unnötige Barrieren. Sogar der berufliche Seiteneinstieg wurde
berücksichtigt. Wege des beruflichen Werdegangs werden dadurch genauso
vielfältig und vielseitig wie die des Lebens selbst.
Grundsätzlich ist das Berufssystem Mikrosystemtechnik dreigliedrig. Es
gibt Möglichkeiten zur betrieblichen Ausbildung, die Zusatzausbildung
zum staatlich geprüften Techniker und das Hochschulstudium. Dahinter
verbergen sich jeweils weitere Einzelabschlüsse und Qualifikationen.
Diese sollen im Folgenden kurz dargestellt werden. Sie finden sich,
inklusive aller Bildungspfade, auch im Schaubild.
1) Ausbildungsberuf Mikrotechnologe/in
Zunächst die gewerbliche Ausbildung zum/zur Mikrotechnologen/in. Sie
findet im dualen System statt: neben der praxisbezogenen Ausbildung im
Betrieb gibt es eine theoretische in den Berufsschulen.
Als Eingangsvoraussetzung genügt ein beliebiger Schulabschluss.
Entscheidend ist die Auswahl durch den Betrieb. Allerdings ist zu
bedenken, dass in der Ausbildung zum Mikrotechnologen / zur
Mikrotechnologin technische und naturwissenschaftliche Qualifikationen
erworben werden und deshalb bei den Auszubildenden entsprechende
Neigungen und Voraussetzungen vorhanden sein sollten.
Nach einer gemeinsamen Grundausbildung können die Auszubildenden in der
Endphase ihrer Ausbildung eine Vertiefung wählen. Zur Verfügung stehen
die Schwerpunkte „Halbleitertechnik“ und „Mikrosystemtechnik“.
Im Schwerpunkt „Halbleitertechnik“ konzentriert man sich auf das
Herstellen von Halbleitern durch Aufbringen von Schichten, durch
Strukturieren, Ätzen, Dotieren und die Montage. Zudem erlernt man
halbleiterspezifische Prüfungsmethoden.
Im Schwerpunkt „Mikrosystemtechnik“ liegt der Fokus dagegen auf dem
Herstellen von Bauelementträger durch Beschichtungsverfahren sowie das
Bestücken, Löten, Bonden, Versiegeln und Testen von
Mikrosystemen.
Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre.
2) Staatlich geprüfter Techniker
Der Schwerpunkt der Technikerausbildung liegt auf technischer
Grundlagenausbildung. Sie findet an spezialisierten Fachschulen oder in
berufsbegleitenden Lehrgängen statt. Die Dauer beträgt in der Regel
zwei bis vier Jahre und endet mit der staatlichen Prüfung. ´
Eingangsvoraussetzung ist die Ausbildung zum Mikrotechnologen oder
Berufserfahrung als Facharbeiter/in in einem verwandten Feld. Mit der
staatlichen Prüfung wird zugleich auch die Fachhochschulreife
erworben.
3) Hochschulstudium
Das Hochschulstudium an einer Fachhochschule (FH) oder einer
Universität im Bereich Mikrotechnolgie oder Mikrosystemtechnik erlaubt
eine Vielzahl unterschiedlicher Abschlüsse: der/die Mikrotechnologen/in
im Dualen Studium, Bachelor und Master und der Diplom-Ingenieur
(Dipl.-Ing.) Wem wissenschaftliches Arbeiten liegt, kann nach dem
Studium noch eine Promotion anschließen und den Doktortitel (Dr.-Ing.)
erwerben.
Es ist in diesem Zusammenhang zu beachten, dass im Zuge des
europäischen Bologna-Prozesses die meisten Studiengänge bereits auf das
neue Bachelor/Master-System umgestellt wurden. Daher gibt es nur noch
wenige Hochschulen, die den Abschluss Dipl.-Ing. oder Dipl.-Ing. (FH)
anbieten.
Allerdings gilt allgemein, dass die technische Hochschulbildung durch
eine ständige Dynamik gekennzeichnet ist, so dass hier kaum allgemeine
Angaben gemacht werden können. Nicht nur verändert sich laufend das
Studienangebot, sondern auch die Inhalte können von Hochschule zu
Hochschule divergieren. Mal fällt die Mikrosytemtechnik unter die
breitere Disziplin der Elektrotechnik, mal existiert sie als
eigenständiger Studiengang. Es empfiehlt sich daher, hierzu stets den
aktuellen Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz HRK
konsultieren: http://www.hochschulkompass.de/
Im Folgenden werden die für die Mikrosystemtechnik relevanten
Studienmöglichkeiten kurz erläutert:
Mikrotechnologe/in im Dualen Studium
Das Duale Studium ist einer der neuesten Ansätze in der
Hochschulbildung. In Anlehnung an das duale Ausbildungssystem handelt
es sich um ein Hochschulstudium mit fest integrierten Praxisblöcken in
Unternehmen. Von „klassischen“ Studiengängen unterscheidet sich das
Duale Studium durch einen höheren Praxisbezug, der allerdings abhängig
von Studiengang und Hochschule variiert. Es handelt sich also
gewissermaßen um eine Kombination von Hochschulbildung und
betrieblicher Ausbildung.
Voraussetzung für das Duale Studium ist die Fachhochschulreife. Es
dauert in der Regel 4,5 Jahre und sieht für die Mikrosystemtechnik zwei
mögliche Abschlüsse vor: der/die Mikrotechnologe/in und den Dipl.-Ing.
(FH). Darauf kann anschließenden ein Master-Studium aufgesetzt werden,
das für eine spätere Promotion qualifiziert.
Bachelor Mikrosystemtechnik oder
Mikrotechnologie
Der Bachelor ist ein erster qualifizierender Studienabschluss. Das
siebensemestrige Studium, innerhalb dessen oft auch ein sechsmonatiges
Unternehmenspraktikum absolviert wird, bietet neben einer soliden
Ausbildung in den ingenieurtechnischen Kernkompetenzen ebenso den
Zugang zu modernen Simulations- und CAD-Techniken, zur Informatik,
Elektronik, Sensorik und Mikrotechnologie.
Voraussetzung bildet die Fachhochschulreife oder das Abitur. Der
Bachelor qualifiziert für ein anschließendes Master-Studium.
Dipl.-Ing. und Dipl.-Ing. (FH)
Der Dipl.-Ing. ist der traditionelle Abschluss des Ingenieurstudiums.
Obwohl er mittlerweile hauptsächlich durch Bachelor und Master ersetzt
wurde, ist er immer noch an einigen Fachhochschulen und Universitäten
zu finden.
Der Unterschied zwischen beiden Abschlüssen liegt hauptsächlich in der
Dauer und der Eingangsvoraussetzung. Für das Uni-Studium werden
ausschließlich Abiturienten zugelassen, während für die Fachhochschule
die Fachhochschulreife genügt. Das Studium an der Fachhochschule dauert
im Durchschnitt 8 Semester, an der Universität hingegen 10. Diese
Besonderheiten schlagen sich auch in den Abschlüssen nieder: man
unterscheidet den Titel „Dipl.-Ing. (FH)“ für Fachhochschul- und den
„Dipl.-Ing.“ für Universitäts-Absolventen.
Master Mikrosystemtechnik oder Mikrotechnologie
Zum Master in der Mikrosystemtechnik oder Mikrotechnologie führen
verschiedene Wege. Qualifizierend sind entweder ein Abschluss als
Mikrotechnolog/in im Dualen Studium, ein Bachelor oder Dipl.-Ing. in
Mikrosystemtechnik, Mikrotechnologie oder einer verwandten Disziplinen.
Das Studium dauert in der Regel 3-4 Semester.
Promotion zum Dr.-Ing.
Der Doktor ist der höchste akademische Grad. Der akademische Doktorgrad
wird durch die Promotion an einer Hochschule erlangt. Zu beachten ist,
dass in der Regel nur Universitäten berechtigt sind, die Doktorwürde zu
verleihen. Durch die Promotion wird dem Kandidaten die Fähigkeit zum
selbstständigen wissenschaftlichen Arbeiten bescheinigt. Eine
abgeschlossene Promotion ist ferner eine wesentliche Voraussetzung für
eine mögliche Habilitation, mit der man nach einem „Ruf“ an einen
Lehrstuhl den Titel eines Professors erwirbt.
Für die Promotion muss eine schriftliche Arbeit, die Dissertation oder
Doktorarbeit, angefertigt werden, die neue wissenschaftliche
Erkenntnisse enthält. Die Dauer der Forschungsarbeit beträgt in der
Regel drei bis vier Jahre, kann aber unter Umständen länger sein. Um
zur Promotion zugelassen werden, benötigt man einen Master-Abschluss.
In einigen Fällen genügt jedoch auch ein Bachelor. Genaueres ist den
Studienordnungen der jeweiligen Hochschulen zu entnehmen.
4) Seiteneinstieg
Eine Besonderheit des durchlässigen Berufssystems Mikrosytemtechnik ist
die Möglichkeit des Seiteneinstiegs von Fachfremden mit
Berufserfahrung. Durch eine Zertifizierungsmaßnahme der Industrie- und
Handelskammer (IHK) können diese sich, berufsbegleitend oder in
Vollzeit, zum „Mikrotechniker“ ausbilden lassen. Diese Schulung dauert
insgesamt ca. 250 Stunden und gilt als eine thematische
Schwerpunktsetzung.
Durch begleitende Weiterbildungen können daneben die
Zusatzqualifikationen „Prozessmanager/in“ und „Spezialist/in“ erworben
werden. Prozessmanager werden in der Produktionssteuerung und
Arbeitsvorbereitung eingesetzt. „Spezialisten/innen“ verfügen über
Spezialwissen für die Produktion im Bereich der
Mikrosystemtechnik.
Doch damit ist noch längst nicht Schluss: Mit der Fachhochschulreife
stehen auch Seiteneinsteigern wiederum alle erwähnten Studiengänge
offen – bis hin zum Doktorgrad.